Nützliche Brummer - Ein Interview

ruediger-schwenkFrage: Wofür brauchen Hobbygärtner und Obstbauern Hummeln?

Rüdiger Schwenk: Die Hummel ist für viele Pflanzen, wie Tomaten, Beerenobst und Äpfel ein sehr nützliches Insekt. Wenn die Hummel in die Blüte krabbelt, um den Nektar herauszusaugen, bleibt Blütenpollen an ihrer Brustbehaarung und an ihren Beinen kleben. Fliegt die Hummel dann zu einer Apfelblüte, fällt der Pollen von ihrem Körper auf den Stempel der Apfelblüte. So wird die Blüte ganz nebenbei bestäubt. Erst jetzt kann sich aus der Blüte eine Frucht – und in diesem Fall ein Apfel entwickeln.

Frage: Die Bienen bestäuben doch auch Pflanzen, oder?

Rüdiger Schwenk: Das stimmt, auch Bienen bestäuben bei ihrer Nektarsuche Pflanzen. Die Hummel ist übrigens auch eine Bienenart. Sie eignet sich für die Pflanzenbestäubung besonders gut. Sie fliegt nämlich schon bei Temperaturen von etwa 9° C und auch bei schlechtem Wetter, während die Biene erst bei etwa 15° C aus ihrem Bienenstock kommt. Hummeln können daher schon viel früher mit der Bestäubung beginnen. Und sie fliegen noch mehr Pflanzen an als Bienen. Eine Hummel kann bis zu 4000 Blüten am Tag bestäuben.

Frage: Was machen Sie mit den Hummeln?

Rüdiger Schwenk: Ich züchte Hummeln und zwar die heimische Erdhummel. Die Zucht beginnt damit, dass ich die Jungköniginnen in speziellen Kartonboxen überwintern lasse. Bei den Hummeln überleben nämlich nur die Jungköniginnen den Winter. Die Drohnen, das sind männliche Hummeln, und die Arbeiterinnen, das sind die weiblichen Hummeln, sterben im Herbst. Bevor diese Königinnen im Frühjahr ihre Eier legen, bekommt jede von ihnen eine eigene Behausung. Darin gründet sie ihr eigenes Volk. Im Laufe des Sommers leben etwa 300 dieser Tiere in einem Volk. Die Hummelvölker verkaufe ich auf Bestellung an Hobbygärtner, Obst- und Gemüsebauern. Die lassen ein oder mehrere Hummelvölker in Obstanlagen fliegen, damit noch mehr Blüten bestäubt werden, und so noch mehr Früchte heranreifen.

Frage: Wie kommen Ihre Hummeln in die Gärten und Gewächshäuser?

Rüdiger Schwenk: Sobald im Frühling die ersten Blüten aufgehen, kommen die Hummeln zum Einsatz. Ich verschicke sie in einer speziellen wetterfesten Styroporkiste – der Hummelbehausung – mit einem Paketdienst. Damit die Hummeln nicht verhungern, stelle ich noch ein Gefäß mit Zuckerlösung hinein. Nach ein bis zwei Tagen sind die Hummeln beim Empfänger angekommen. Der stellt die Hummelbehausung einfach in sein Gewächshaus oder unter einen Obstbaum. Dann öffnet er das Flugloch in der Behausung. Nun können die Hummeln herausfliegen und die Blüten bestäuben. Ich habe festgestellt, dass so bis zu 20 Prozent mehr Früchte entstehen.

Frage: Aber dann fliegen die Hummeln doch weg!

Rüdiger Schwenk: Die kommen wieder. Das hat seinen Grund: Ein Hummelvolk besteht im Frühjahr aus einer Königin und vielen weiblichen Tieren, den Arbeiterinnen. Die Königin verlässt diese Hummelbehausung nie. Sie legt Eier und pflegt ihre Brut. Aus den Eiern entstehen erst Larven, die verpuppen sich, bis schließlich neue Hummeln schlüpfen. Im Spätsommer schlüpfen auch Drohnen und Jungköniginnen. Die Arbeiterinnen in dem Volk haben die Aufgabe, die Larven und Puppen mit Nektar und Pollen zu versorgen. Deswegen fliegen sie immer wieder zu ihrer Behausung zurück. Wenn es dunkel wird, kommen die Hummeln zurück in die Behausung, um am nächsten Morgen wieder an die Arbeit zu fliegen.

Frage: Hummeln sehen so harmlos aus. Können sie auch stechen?

Rüdiger Schwenk: Ja, auch Hummeln können stechen. Allerdings haben nur die Hummelweibchen einen Stachel, die Männchen nicht. Hummeln stechen aber selten und nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass so ein Stich ganz schön schmerzhaft ist, und die Haut stark anschwellen kann. Deshalb fasst man diese Insekten besser nicht an.

 

Aus: Ökoleo, April 2009
vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV)
Mainzer Straße 80, 65189 Wiesbaden

 

Terra XPress berichtet rund um die Hummel

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